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Borreliose? VII. neue Diagnose-Möglichkeiten

Klinische Diagnostik der Lyme-Borreliose  oft schwierig
Eine Borreliose ist laborchemisch nur schwer zu diagnostizieren und ihre Symptome sind sehr vielfältig. Die Antikörpertests (Elisa und Westernblot) zeigen lediglich, ob eine Berührung mit einem Borrelioseerreger stattgefunden hat oder nicht. Sie haben keine Aussagekraft über das Stadium der Krankheit, denn bereits überstandene Infektionen werden auch angezeigt. Untersuchungen zeigen, dass ca. 20 % der klinischen Diagnosen falsch sind, manche Fachleute sprechen sogar von bis zu 60 % Fehlerquoten.

Tarnkappen
Die Borrelien verstecken sich hinter einer Tarnkappe und sind äußerst anpassungsfähig.
„… indem sie Kontroll-Eiweiße des Menschen an ihre Oberfläche binden und so verhindern, dass der Körper sie als feindliche Eindringlinge erkennt. Diejenigen Borrelien, die dem Angriff des Immunsystems entgehen, sind in der Lage, bestimmte Eiweiße auf ihrer Oberfläche zu binden. Diese Eiweiße, so genannte Komplementregulatoren, setzt der menschliche Körper normalerweise ein, um seine eigenen Zellen vor einer Zerstörung durch das Immunsystem zu schützen.“ Prof Zipfel, Uni Jena

Neuer Liquor-Marker zur Diagnose einer Neuroborreliose
ist nur bei einer akuten Neuroborreliose erhöht; UND zeigt den Heilungserfolg an?  Der Liquor-Marker CXCL 13 fungiert als Marker (Anzeiger)  basierend auf einem chemotaktischen Zytokin (Botenstoff).
In einer klinischen Studie wird dieser Liquor-Marker an der Ludwig-Maximilians-Universität München untersucht. Der CXCL 13 ist Laut Prof. Pfister bereits in der sehr frühen Phase einer akuten Neuroborreliose anzuwenden. In  der experimentell klinischen Anwendung war CXCL13 bereits frühzeitig nach Erkrankungsbeginn einer Neuroborrelikose  und oft bereits bevor sich Antikörper bilden konnten, nachweisbar. “ In einer Untersuchung am Klinikum Großhadern wurde die hohe Spezifität des Markers bestätigt, und zwar bei 192 Proben, die auch eine Liquor-Pleozytose ergeben hatten. Bei allen 17 Patienten mit akuter Neuroborreliose war der CXCL-13-Spiegel deutlich erhöht: Der Mittelwert lag über 15.000 pg/ml. Patienten ohne Neuroborreliose dagegen hatten Konzentrationen von nur etwa 250 pg/ml.“ Zur chronisch verlaufenden Borreliose liegen bislang noch keine Daten vor. Derzeit wird dieser Test (noch?) nicht zur Diagnose einer Neuroborreliose empfohlen.
Weitere Studien laufen derzeit an der Neurologischen Klinik der LMU München. Dabei können auch von Ärzten eingesandte Liquorproben analysiert werden. Um eine entsprechende Kontaktaufnahme über Tobias.Rupprecht@med.uni-muenchen.de wird gebeten.

Dieser Liquor-Marker eignet sich nur zur Diagnose einer Neuroboreliose, und wird noch (?) nicht zur Diagnostik empfohlen.
Lesen Sie hier mehr über die Untersuchung des Liquors zur Diagnose einer Borreliose

Fazit:
Aufgrund der beschriebenen Problematik ist das wichtigste Kriterium zur Diagnose einer aktiven oder einer latenten Borreliose vordringlich das gesamte Krankheitsbild, wobei die entsprechende Erfahrungen des behandelnden Arztes ausschlaggebend ist.

 Naturheilverfahren bei Borreliose

Viele schwere Borrelioseerkrankungen sind die Folge ungewöhnlicher Inkubationsstadien. Die Zeit von der Ansteckung durch Zeckenstich bis Ausbruch der Erkrankung ist bei der Borreliose leider unbestimmt. Sie kann Tage, Wochen, Monate oder sogar Jahre betragen. Die Infektion verläuft oft unerkannt, vor allem  wenn zu Infektionsbeginn keine eklatanten Krankheitsmerkmale wie etwa eine Wanderröte (Erythema migrans) auftraten.

Quellen: Ärzte Zeitung, 01.04.2011
Prof. Dr. Peter Zipfel, Abteilung Infektionsbiologie am HKI Jena
Hunfeld KP, Ruzic-Sabljic E, Norris DE, Kraiczy P, Strle F.: In vitro susceptibility testing of Borrelia burgdorferi sensu lato isolatescultured from patients with erythema migrans before and after
antimicrobial chemotherapy. Antimicrob. Agents Chemother. 2005, Vol 49, No 4, p. 1294-1301.
Frank S. Cordes, Pietro Rovesi, Peter Kraiczy, Markus M. Simon, Volker Brade, Oliver Jahraus, Russel Wallis, Christine Skerka, Peter F. Zipfel, Reinhard Wallich and Susan M. Lea: A novel fold for the factorH-binding protein BbCRASP-1 of Borrelia burgdorferi. Nature Structural& Molecular Biology, 2005, Vol 12, No. 3, p. 276-
Rupprecht TA, Pfister HW, Angele B, Kastenbauer S, Wilske B, Koedel U. The chemokine CXCL13 (BLC): A putative diagnostic marker for neuroborreliosis. Neurology 2005; 65(3):448-
Rupprecht TA, Koedel U, Angele B, Fingerle V, Pfister HW. [Cytokine CXCL13 – a possible early CSF marker for neuroborreliosis.]. Nervenarzt 2006; 77(4):470-473.

Hilfe, eine Zecke hat mich erwischt!

Was nun?

FSME-Viren befinden sich in den Speicheldrüsen der Zecken, sie werden so bei einem Stich sofort übertragen und gelangen so rasch in die Blutbahn des Wirtes.

Die Borrelien dagegen existieren im Mitteldarm der Zecken, und werden daher erst nach 10-24 stündigen Saugen übertragen. Wird die Zecke also rasch entfernt, ist das Übertragungsrisiko der Borreliose-Erreger sehr gering –  je länger die Zecke saugt, desto größer ist das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken!

Wie entferne ich eine Zecke

  • Entfernen Sie die Zecke am besten mit einer speziellen Zeckenzange oder Zeckenkarte.  Greifen Sie die Zecke so nah wie möglich an der Haut.
  • Ziehen Sie die Zecke vorsichtig und langsam heraus, wenn Sie sich Zeit (ca. 45-60 sec) dazu lassen, löst sich die Zecke meistens von allein aus der Haut.
  • Achten Sie darauf, die Zecke dabei nicht zu quetschen, denn dadurch pressen Sie eventuelle Erreger aus dem Darm oder Speichel in die Einstichstelle!
  • Desinfizieren Sie die Wunde nach Entfernen der Zecke sorgfältig!
  • Sind Teile der Zecke noch in der Einstichstelle, suchen Sie einen Arzt auf.

Keine Experimente!

Rücken Sie den Parasiten keinesfalls mit Nagellack, Klebstoff oder Öl zu Leibe. In dieser Stresssituation erbrechen die Zecken Ihren Darminhalt direkt in die Stichstelle. Dies kann das Risiko einer Übertragung von Krankheitserregern beschleunigen.

  • Beobachten Sie sich in den nächsten Tagen und Wochen gründlich!

Wanderröte

In vielen Fällen bildet sich bei einer Borrelieninfektion um die Einstichstelle eine kreisförmige Hautrötung, die Erythema migrans, auch Wanderröte. Sie kann nämlich auch an anderen Hautstellen auftreten. Sie ist ein Zeichen der Immunabwehr des Organismus.
Das Erythem muss aber nicht unbedingt auftreten, auch grippeähnliche Symptome oder plötzlich auftretende Gelenkschmerzen können auf eine Borreliose – Infektion hindeuten.

Suchen Sie bei jeglichen ungewohnten Beschwerden Ihren Arzt auf, eine unmittelbar eingeleitete Therapie kann das Schlimmste verhindern!

Übertragung durch andere Insekten

Auch wenn es sich noch nicht überall herumgesprochen hat: Eine Übertragung von Borreliose durch Stiche von Bremsen oder Mücken, eventuell auch über Wespen oder Flöhe ist denkbar.

Borreliose und Kardenwurzel